Angesichts des anhaltenden Kampfs der Milchbauern um höhere Erzeugerpreise erklärt sich die Bundestierärztekammer mit den Landwirten solidarisch. Eine Erhöhung des Milchpreises sichert nicht nur das Mindesteinkommen der Tierhalter. Der Druck zur weiteren Leistungssteigerung mit negativen gesundheitlichen Konsequenzen für die Kühe würde gleichsam vermindert.
Infolge von Zuchtprogrammen und verbesserter Fütterung hat sich die Laktationsleistung einer Milchkuh in den vergangenen zwei Jahrhunderten von weniger als 1.000 Liter auf durchschnittlich rund 7.500 Liter pro Jahr in Deutschland erhöht. Herdendurchschnittsleistungen von über 10.000 Litern pro Kuh sind keine Seltenheit. Aus tierärztlicher Sicht stellt eine weitere Leistungssteigerung der Tiere, die auch eine Reaktion auf die Anforderungen des Wettbewerbs und auf die erfolgte Absenkung der Milchpreise der letzten Jahre ist, keine Lösung dar. Infolge der Leistungssteigerungen ist die Nutzungsdauer der Kühe in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Denn die hohe Belastung des Stoffwechsels der Milchkühe bleibt nicht ohne Folgen für die Gesundheit der Tiere. Schon geringste Fehler im Management führen zu Fruchtbarkeitsstörungen oder Eutererkrankungen, den häufigsten Gründen, weshalb eine Kuh den heimischen Hof oft schon nach der Geburt des zweiten oder dritten Kalbes Richtung Schlachthof verlässt.
„Eine solide finanzielle Basis der Milchbauern ist die beste Voraussetzung dafür, dass der Tierschutz und die Tiergesundheit bei Zucht und Haltung ausreichend Berücksichtigung finden können“, erläutert Prof. Dr. Theo Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer. Stattdessen kämpfen viele Landwirte trotz ihres Einsatzes an 365 Tagen im Jahr um ihre Existenz. „Um den Betrieben ein wirtschaftliches Arbeiten zu ermöglichen, ist eine Anhebung des Milchpreises unumgänglich.“
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