Die Gabe von Kraftfutter alleine reicht längst nicht mehr aus, um die Leistungen von Milch- oder Fleischrindern, Mastschweinen oder Geflügel zu erhöhen. Seit einigen Jahren sind in der EU auch Antibiotika als Masthilfen verboten und seitdem suchen Landwirte, Pharmaexperten und Hersteller von Futterzusatzstoffen nach Ersatz.
Neueste Versuche werden im Zusammenhang mit Einzellern im Rinderpansen gemacht. Im Pansen leben Pilze, Bakterien und andere einzellige Lebewesen – Protozoen –, die bei der Verdauung der Pflanzennahrung eine Rolle spielen. Die Protozoen sind allerdings bis zu einem gewissen Grad entbehrlich. Einen Großteil der Nahrungsenergie verbrauchen die Einzeller sogar für sich selbst, was sie aus Forschersicht zu eher unliebsamen Mitbewohnern macht. „Defaunieren“ heißt der Rauswurf der Einzeller unter Wissenschaftlern.
Er gelingt mittels der Pflanzenstoffe Saponin und Tannin, die beispielsweise in Sojabohnen enthalten sind. In Fütterungsversuchen stieg die tägliche Gewichtszunahme bei Rindern, Schafen und Ziegen mit defaunierten Mägen um elf Prozent an. Zudem nahm die Wollproduktion der Schafe um 27 Prozent zu. Positiver Nebeneffekt: Die Testtiere stießen weniger Methan aus, als üblich. Zu weit darf die Anzahl der methanbildenden Bakterien allerdings nicht reduziert werden, um eine effektive Verdauung nicht zu gefährden.
In China experimentiert man aktuell mit „seltenen Erden“ – hinter dem esoterisch klingenden Begriff verbirgt sich eine Gruppe chemischer Elemente, die vormals in seltenen Mineralien gefunden wurden. Chinesische Studien belegen eine um 32 Prozent erhöhte Wachstumsgeschwindigkeit bei Ferkeln und eine um 20 Prozent erhöhte Milchmenge bei Kühen. Worin genau die Wirkung der Stoffe besteht, ist unklar. Zu bedenken ist bei den geradezu fantastischen Erfolgen mit den Erden im Reich der Mitte, dass die Ausgangsleistung des dortigen Viehs wesentlich von der hiesiger Tiere abweicht. Fütterungsversuche in Europa ergaben aber immerhin noch einen durchschnittlichen Zuwachs von fünf Prozent.
Landwirte tun gut daran, leistungssteigernde Grünpflanzen selbst anzubauen, denn Wiesenkräuter mit ihren zahlreichen ätherischen Ölen erzielen womöglich ebenso gute Effekte wie ausgefeilte Futtermittelzusatzstoffe. Sie sorgen zudem für aromatischeren Geschmack und längere Haltbarkeit der Produkte, da die Wirkung der Öle bis in die Milch gelangt.
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