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Fokusthema: Was ist Tierwohl?

  Fokusthema: Tierwohl

Fokusthema: Tierwohl

von Thomas Wengenroth

Das Thema Tierwohl ist in aller Munde. Es gibt zahlreiche Meinungen dazu, wie Tierwohl definiert, gemessen und verbessert werden kann. Wir haben eine Reihe von Fachleuten aus Veterinärmedizin und Verhaltensforschung um ihre Antworten gebeten. In einer ersten Videostaffel geht es um Definitionen, um Haltung und Ernährung von Rindern und Schweinen. Und natürlich um „Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit“, wie Ferkelkastration oder Enthornung beim Rind.

An dieser Stelle möchten wir aber zunächst den vielen Wissenschaftlern ganz herzlich danken, die Ihre Forschungsergebnisse zu diesem wie auch anderen Themen vorstellen. An Hochschulen, Instituten, Universitäten, in Deutschland wie im benachbarten Ausland, wird unermüdlich an der Verbesserung von Tiergesundheit und Tierwohl gearbeitet. Die Früchte dieser Arbeit sollen auf diesem Weg den Nutztieren ebenso wie den Tierhaltern zugutekommen.




Eine Art Vorwort – aus aktuellem Anlass Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

In zahllosen Sitzungen wurden Kriterien für die „Initiative Tierwohl“ erarbeitet und seit Monaten steht das Konzept. Auf der Zielgeraden gerät das ganze Projekt nun ins Straucheln. Wie aus verschiedenen Quellen zu erfahren ist, fehlt die finale Zustimmung des Lebensmitteleinzelhandels.

Seit Jahren kommen Deutschlands Nutztierhalter in den Medien nur als Tierquäler vor, in deren Mega-Ställen Rind, Schwein und Huhn aus reiner Profitgier leiden. Jetzt aber stellt sich heraus: das Interesse an der Initiative Tierwohl ist riesig! Tausende von Bauern, mit großen wie kleinen Betrieben, wollen sich für mehr Tierwohl und Tierschutz engagieren. Und die sollen jetzt ausgebremst werden?

Sollten am Ende jene Kritiker Recht behalten, die vor einer reinen Alibiveranstaltung gewarnt haben? Hat etwa der Handel auf eine geringe Beteiligung der Tierhalter gehofft, um – für kleines Geld - ein unbequemes Thema vom Tisch zu bekommen? Das kann nicht sein. Die Landwirtschaft hat ihre Hausaufgaben gemacht. Jetzt ist es am Handel auch zu liefern!




… und ein noch aktuelleres Interview mit Robert Römer (QS Qualität und Sicherheit) zur Klarstellung.



9. Niedersächsisches Tierschutz-Symposium 20./21. März 2014 Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

In der Humanmedizin gibt es den Allgemeinarzt, der sich bei den Krankheiten der Spezies Mensch auskennt. Meine Haustierärztin muss sich dann schon mit Hund, Katze und Kaninchen befassen. Amtstierärzte aber stehen täglich vor neuen Herausforderungen. Sie müssen Gesundheit und Haltungsformen der unterschiedlichsten Tierarten beurteilen und, wenn nötig, kompetent handeln können.

Um die entsprechende Weiterbildung der Amtsveterinäre in Niedersachsen machen sich seit Jahren das „Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit“ gemeinsam mit dem dortigen Landesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz verdient. Seit nunmehr 18 Jahren organisieren sie alle zwei Jahre in Oldenburg ein zweitägiges Tierschutz-Symposium.

Dessen Programmangebot vielfältig zu nennen, wäre eher untertrieben. In diesem Jahr drehten sich die Vorträge u. a. um Geflügel- und Milchkuhhaltung, um tiergerechte Pferdeställe, Aquakulturen und Ziegen, um das Problem des Schwanzbeißens beim Ferkel oder Erfahrungen mit der freien Abferkelung. Und, last but not least, um die Entdeckung einer Kampfhundearena.

Ein besonders Highlight der Oldenburger Symposien sind die dort angebotenen Exkursionen. Hier können die Teilnehmer einige der in Vorträgen beschriebenen Haltungsformen selbst in Augenschein nehmen. Ein Programmbestandteil für den auch den Landwirten, die ihre Höfe und Ställe dafür öffnen, ein extra Dankeschön gebührt.

Die Veranstaltung war auch in diesem Jahr bis auf den letzten Stuhl (sowie die Treppenstufen) ausgebucht. Und weil der Zeitplan wirklich straff war, konnten wir vor Ort keine Interviews mit den Referenten führen. Einige der Fachleute haben wir aber schon im Vorfeld des Symposiums besucht und über ihre Vortrags-Themen gesprochen. Weitere Termine sind bereits vereinbart und die nächsten Filme folgen schon bald.

Eines aber steht schon heute fest: beim 10. Tierschutz-Symposium versuchen wir wieder einen Platz zu ergattern. Vielleicht müssen wir auch gar nicht zwei Jahre warten. Die Teilnehmer dieses Jahres wären auf jeden Fall auch dafür!







Diskussionsrunde zum Tierwohl Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

Am 20. Dezember 2013 trafen sich sieben ausgewiesene Experten für Tierhaltung und Tiergesundheit zu einer Diskussionsrunde rund um das Thema „Tierwohl im Schweinestall“. Jetzt liegt die vollständige Videoaufzeichnung der Veranstaltung vor. Insbesondere ging um:

  • Antibiotikaeinsatz im Schweinestall
  • Fleischkonsum und Tierschutz
  • Tierschutzlabel und Initiative zum Tierwohl
  • Ringelschwanzprämie und Schwanzkupieren beim Ferkel

Istzustand und Anforderungen der Zukunft wurden fachlich kompetent und auch kontrovers diskutiert. Das Ganze ohne den Zeitdruck von TV-Runden, die pünktlich nach 45 Minuten beendet sind und in denen auch deshalb lediglich die immer gleichen Statements ausgetauscht werden.


Teilnehmer der Runde waren:

  • Dr. Katja Brase, Schweinegesundheitsdienst Niedersachsen
  • Prof. Dr. Prisca Kremer, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
  • Dr. Jörg Baumgarte, Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz u Landesentwicklung
  • Jochen Dettmer, NEULAND e.V.
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Jörg Hartung, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • Robert Römer, QS Qualität und Sicherheit GmbH
  • Dr. Bernhard Schlindwein, Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband
  • Moderation: Thomas Wengenroth, VetDocVideo


Um die umfangreiche Diskussion für die Zuschauer „leichter verdaulich“ zu machen, sind die verschiedenen Themenschwerpunkte in fünf Teilen einzeln aufrufbar:





Die Fünf Freiheiten Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

Am Anfang ist es noch recht einfach. Die Definition für „Tierwohl“ beginnt wohl mit den „Fünf Freiheiten“ nach dem Animal Welfare Konzept:

An erster Stelle wird dort genannt: Nutztiere sollen nicht unter Hunger, Durst oder Fehlernährung leiden. Hunger und Durst? Natürlich nicht! Wer wollte das anders sehen? Bei der falschen Ernährung ist es schon nicht mehr so einfach.

Aber es wird gleich noch schwieriger. Die Tiere sollen frei sein von unnötigem Schmerz, von Verletzung und Krankheit. Angst und vermeidbare Leiden soll es nicht geben. Gibt es einen „nötigen Schmerz“? Viele Nutztiere werden immerhin nur deshalb aufgezogen um verzehrt zu werden.

Nutztiere sollen auch kein Unbehagen durch ungeeignete Unterbringung verspüren. Was ist ungeeignet, was wäre dagegen geeignet? Und wie stellt man das fest?

Und schließlich sollen sie sich „tiergemäß“ verhalten können. Spätestens jetzt sind Fachleute gefragt. In einer ganzen Reihe von Interviews und kleinen Reportagen, haben wir uns also auf die Suche nach Antworten gemacht. Die Hyperlinks führen zu den einzelnen Beiträgen.




Definitionen - Leistung - Initiativen Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

„Was ist Tierwohl?“ Die Frage stellte sich auch Prof. Dr. Eberhard von Borell, Spezialist für Tierhaltung und Nutztierökologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Wir sprachen mit ihm über Definitionen und Erklärungsansätze (und auch er beginnt mit den „Fünf Freiheiten“.)

Mit Tierschutz-Indikatoren speziell bei Rinden hat sich Prof. Dr. Martin Kaske befasst. Er stellt die zentrale Frage nach Mess- und Vergleichbarkeit. Wann geht es einem einzelnen Tier „objektiv“ gut oder schlecht? Wie kann ich verschiedene Betriebe vergleichen oder – noch besser – Betriebsformen?

Da die Landwirtschaft eben vor allem eine wirtschaftliche Veranstaltung ist und alle Aktivitäten für mehr Tierwohl auch mehr Geld kosten (oder zusätzliche Arbeitszeit, was aufs Gleiche rauskommt), stellt sich schnell die Frage „Ist Tierwohl mit hoher Leistung vereinbar?“
Ob, wie und auch wie weit das im Falle der Schweinehaltung zusammengeht, fragten wir Prof. Dr. Stefen Hoy. Er lehrt und forscht zu Tierhaltung und Haltungsbiologie an der Universität Gießen und stellt im Interview sehr interessante Arbeitsergebnisse vor. Unter anderem geht es um die Nutzungs-/Lebensdauer von Sauen und den „Ferkelindex-Lebensleistung“.

Neu angetreten sind die „Initiative zum Tierwohl“, der sich praktisch alle namhaften Akteure aus der Fleischproduktion und -vermarktung angeschlossen haben. Und das „Tierschutz-Label“ des Deutschen Tierschutzbundes, das der Verein zusammen mit den Nahrungsmittelkonzern Vion bereits am Markt erprobt.
Dr. Heiko Janssen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, hielt auf dem "Sächsischen Schweinetag 2013" einen Vortrag darüber, welche Kosten mit der Umsetzung der Kriterien der "Initiative Tierwohl" verbunden sind. Rechnet sich das Engagement für die Schweinehalter oder legen sie am Ende drauf?

Mit Dr. Heinz Schweer, dem zuständigen Direktor Landwirtschaft bei Vion, und Keno Jantzen, einem der beteiligten Schweinemäster, sprachen wir über Erfahrungen und Marktresonanz beim Tierschutzlabel.




Haltungsformen Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

Tierwohl hat viel mit den Haltungsformen zu tun. Hier vor allem setzen auch die verschiedenen Initiativen und Labels an. Wie viel Platz brauchen Hühner, Kühe, Schweine? Wie sollen die Ställe aussehen, damit die Tiere sich darin wohlfühlen und gesund bleiben?

Konzepte zur Schweinehaltung hat das Team um Prof. Dr. Thomas Richter erarbeitet. Zum Beispiel ein spezielles System für die Gülle-Entsorgung im Schweinemaststall. Auf dem Hofgut Tachenhausen trafen wir den Forscher von der Hochschule Nürtingen zusammen mit  Stefan Würtele dem zuständigen Betriebsingenieur.

Insbesondere die „e-motion-Bucht“ für Sau und Ferkel stellt Prof. Richter vor und erklärt auch wie viel (oder besser wie wenig) Stroh Sauen rund um den Abferkeltermin als Nestbaumaterial brauchen.




Stroh fürs Schwein Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

Auch bei Mastschweinen heiß begehrt, aber ebenso heiß diskutiert bei Schweinehaltern, ist das Stroh. Als Einstreumaterial und Futterkomponente bietet es den Tieren klare Vorteile. Bei der Gülleentsorgung dagegen macht es aber Probleme - und deutlich mehr Arbeit für den Schweinehalter.

Nach einer neuen Untersuchung aus Dänemark sind 400 Gramm Stroh pro Tag und Schwein ideal. Die Forschungsergebnisse im Detail sind hier nachzulesen. Außerdem sprachen wir mit Lene Juul Petersen, der verantwortlichen Wissenschaftlerin von der Universität Arhus, am Telefon (Interview in englischer Sprache).

Aber: Soll man bei Sauen ganz auf Kastenstände (auch Ferkelschutzkörbe genannt) verzichten und die Muttersau mit ihren Ferkeln in Bewegungsbuchten halten? Immerhin: 25 % der Sauen gehen auf den Mann, wenn er nach den Ferkeln greift.




Rinder- und Schweinehaltung in der Schweiz Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

In der Schweiz gibt es Tierschutz-Label bereits seit 20 Jahren. Wie die Nutztierhaltung dort ausschaut, zeigt eine ganze Video-Serie. Dabei konnten wir Dr. Corinne Bähler in einen Bullenmaststall begleiten und anschließend mit ihr über die Besonderheiten der Rinderhaltung in unserem Nachbarland sprechen.

Mit Dr. Xaver Sidler machten wir einen Rundgang durch alle Ställe des Versuchsguts Strickhof: AbferkelstallAufzuchtstallMaststall. Wir sahen uns die Haltung von Muttersauen und die Gruppenhaltung an.





Ernährung – Fütterung Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

Eine der „Fünf Freiheiten“ fordert  eine Fehlernährung zu vermeiden. Kühe sollen möglichst viel Milch geben, Masthähnchen schnell wachsen und Schweine im Alter von sieben Monaten schlachtreif sein.

Mit Fragen der Schweineernährung befasst sich Prof. Dr. Josef Kamphues, der Direktor des Instituts für Tierernährung an der TiHo in Hannover. Mit ihm und einigen Mitgliedern seines Teams sprachen wir über PhosphorversorgungMagengeschwüre und SalmonellenFutterstruktur und DarmgesundheitRohfaserversorgung tragender SauenVerdaulichkeit von Mischfutter und Leistung.





Körperliche Unversehrtheit Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

Die Forderung nach körperlicher Unversehrtheit spielt eine immer größere Rolle. Das Schnabelkürzen bei Hühnern steht in der Kritik. Rinder sollen gar nicht enthornt werden oder wenigsten unter Betäubung. An der Klinik für Klauentiere der FU Berlin sprachen wir mit deren Direktorin Prof. Dr. Kerstin Müller über das Enthornen.

Beim Schwein geht es gleich um einen ganzen Fächer von invasiven Eingriffen: männliche Ferkel werden bisher noch ohne Betäubung kastriert, um die Entwicklung des unangenehmen Ebergeruchs zu verhindern. Und bei vielen Ferkeln werden die Zähne abgeschliffen und die Ringelschwänze kupiert, um Kannibalismus zu bekämpfen.

Ab 2018 ist auch in Deutschland die Ferkelkastration nur noch unter Betäubung und Schmerzausschaltung erlaubt.  Wie ein solcher Eingriff unter Inhalations-Narkose von Statten geht, ist im Video zu sehen. Über den aktuellen Sachstand zur Kastration durch die Tierhalter sprachen wir mit Prof. Dr. Karl-Heinz Waldmann. Im zweiten Teil des Gesprächs mit dem Direktor der Klinik für kleine Klauentiere an der TiHo, geht es um die Alternativen zur Ferkelkastration: Immuno-Kastration und Ebermast.

(In der Ebermast spielt übrigens wieder die Fütterung eine Rolle. Welchen Einfluss die Ration auf den Ebergeruch hat, erklärt Dr. Saara Sander vom Institut für Tierernährung an der TiHo.)




Mensch/Tier-Beziehung Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

Ein wichtiger Aspekt bei der Nutztierhaltung ist die Mensch/Tier-Beziehung.

Milchbauern die „kuhverliebt“ sind haben oft den größten Erfolg. Oft geben sie ihren Kühen Namen und kennen die einzelnen Tiere ganz genau. Was zur Verbesserung der Mensch/Tierbeziehung beitragen kann, hat Dr. Tanja Kutzer erforscht. Sie arbeitet beim Schweizer BVET, im Zentrum für tiergerechte Haltung von Wiederkäuern und Schweinen.

Ihre Kollegin Anska Brötje befasste sich im Rahmen ihrer Doktorarbeit mit der Beziehung zwischen Schweinen und Schweinehaltern. Wie sie dabei vorging und wie schnell sich Stressprävention positiv auswirkt, verrät sie im Video.




Transport und Schlachtung Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

Aber auch beim Tiertransport gibt es noch einiges Verbesserungspotential. Gedanken dazu hat sich Dr. Ulrich Eberhardt, Oberveterinärrat am Veterinäramt Rhein-Neckar-Kreis, gemacht.

Am Ende ihres Lebens landen Schweine, Rinder und auch Milchkühe auf dem Schlachthof. Und noch an diesem Ort ist es möglich mithilfe von Tierwohl-Indikatoren die Haltungsbedingungen auf den einzelnen Betrieben rückblickend zu beurteilen. Über die Ergebnisse von entsprechenden Studien auf Schweizer Schlachthöfen sprachen wir mit Prof. Dr. Gertraud Schüpbach von der Universität Bern.

Und auch beim Betäuben und Töten von Schlachttieren gibt es noch erhebliche Defizite. Am Max-Rubner-Institut in Kulmbach wird speziell hierzu geforscht.

Über Bolzenschuss-Betäubungsverfahren beim Rind schreibt die Tierärztin Katharina Dörfler ihre Doktorarbeit. Mit ihr sprachen wir über sichere Verfahren, Gefahren und Fehlerquellen.

Ihre Kollegin Muriel Machtolf hat Versuche zur Betäubung von Schlachtschweinen mit Helium durchgeführt. Sie klärt auf über das heutige Verfahren mit Kohlendioxid-Betäubung und alternative Methoden mit Edelgasen.




Massentierhaltung vs. Kleinbetriebe Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

Schließlich schlägt die Diskussion um „Massentierhaltung“ hohe Wellen. Landwirtschaftliche Betriebe mit größeren Tierzahlen werden häufig als „an sich schlecht“ dargestellt. Das Gegenteil und Idealbild ist dann der kleinbäuerliche Familienbetrieb.

Mal abgesehen von den Nachwuchssorgen gerade der Kleinbauern (für 2/3 der über 45-jährigen Betriebsleiter ist kein Nachfolger in Sicht), ist diese Art Schwarz/Weiß-Malerei unlogisch. So wie nicht alle Opelfahrer Hut tragen, sind auch nicht alle Kleinbauern besseren Tierhalter. Es ist nur logisch, dass es gute große, gute kleine und schlechte große und schlechte kleine Betriebe gibt.

Es gibt den hessischen Milchbauern, der nur mit Frau und Sohn den Hof bewirtschaftet, alle seine 300 Kühe (das sind drei Mal so viele wie im deutschen Durchschnittsbetrieb) mit Nummer, Namen und Krankengeschichte kennt. Und dessen Herde eine durchschnittliche Milchleistung von fast 10.000 Kilo hat. Das wäre dann ein Kleinbauer mit Massentierhaltung.

Ebenso gibt es den 2-Personen-Ferkelerzeuger mit Grünlandbewirtschaftung, dem schlicht die Zeit für die stündliche Kontrolle der neugeborenen Ferkel fehlt. Und der deshalb überdurchschnittliche Verluste hinnehmen muss.

Man könnte anhand dieses Beispiels auch fragen: Ist es nicht im Großbetrieb einfacher eine Ferkelwache zu organisieren oder Kälber „rund um die Uhr“ zu betreuen, als im Kleinbetrieb, dem schlicht die Manpower fehlt?

Dr. Sophia Kluthe reichte 2013 an der TiHo Hannover ihre Doktorarbeit ein. Dort schreibt sie: Der Vergleich von 100 Betrieben zeigt, dass größere Schweinebetriebe oft im Hygiene- und Gesundheitsmanagement besser sind. Und Betriebe mit über 700 Mast- oder über 150 Sauenplätzen in Bezug auf Seuchenprophylaxe und Tiergesundheit besser abschneiden,  als kleinere Betriebe.

Warum sollten die größeren Betriebe dann in anderer Hinsicht automatisch schlechter sein als die kleineren?




Und wie geht’s weiter? Fokusthema: Tierwohl - zum Anfang

Ganz sicher führt stärkeres persönliches Engagement des Landwirtes zu höherem Tierwohl. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass z. B. die Verluste bei Ferkeln und bei Kälbern geringer ausfallen, wenn eine Frau die Betreuung dafür übernimmt.

Eine möglichst gute Ausbildung und ein hoher Wissensstand bei den Tierhaltern werden immer wichtiger. Zum Glück steigen die Studentenzahlen in Agrarwirtschaft und Agrartechnik seit einigen Jahren an. (Wie dieser Nachwuchs seine Zukunft sieht, ist hier für Schweine- und hier für Rinderhaltungen zu sehen.)


Wenn dann die wirtschaftliche Basis für die Umsetzung neuester Erkenntnisse (z. B. in der Haltungstechnik) vorhanden ist, haben kleine wie große Betriebe die Chance zur Verbesserung des Tierwohls in ihren Ställen. Denn am Ende geht es natürlich ums Geld.

Der Milchpreis liegt zwar derzeit über 40 Cent pro Liter, aber das müsste auch über lange Zeit so bleiben, damit Investitionen für den Unternehmer „Bauer“ auch machbar sind. Wenn beim Schweinehalter je Mastschwein nur 10,- oder 20,- Euro vom Verkaufserlös übrig bleiben, kann man fragen, wovon der tiergerechte Stall bezahlt werden soll?

Und solange 70 % des Schweinefleischs in Deutschland als Sonderangebote über die Theke gehen, sind die Marktchancen für „Label-Produkte“ wohl eher gering.

Aber wer jetzt sagt: „Der Verbraucher zahlt es ja doch nicht“ greift zu kurz. In der Schweiz hat das „Label-Fleisch“ einen Markanteil von 40 %. Natürlich herrschen dort andere Bedingungen, der Markt ist viel kleiner etc. Aber ganz sicher könnte sich auch das reiche Deutschland hier eine ordentliche Scheibe abschneiden.




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