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  Tigerschecken & Nachtblindheit

 
 
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Jahrtausende alte Pferde-DNS offenbart Zuchtpräferenzen des Menschen

Über die Jahrtausende hinweg hat der Mensch, je nach Vorliebe die Fellfarben der Haustiere immer wieder züchterisch verändert. Im Fall der Tigerscheckung bei Pferden konnte jetzt ein internationales Forscherteam den wechselhaften Zuchtverlauf seit Beginn der Domestikation vor ca. 5500 Jahren rekonstruieren. Diese Studie unterstreicht den Wert der genetischen Diversität für die Zucht. Die Ergebnisse der Studie wurden im renommierten Fachjournal Philosophical Transaction B der Royal Society of London veröffentlicht.

Weißes Fell mit schwarzen Flecken: fast jedes Kind kennt „Kleiner Onkel“, das Pferd von Pippi Langstrumpf. Doch wie sah es mit der Beliebtheit von gescheckten und gesprenkelten Pferden, sogenannten Tigerschecken, in den letzten Jahrtausenden aus? Forscher haben herausgefunden, dass das Vorkommen dieser Pferde im Laufe der Geschichte erheblich schwankte.

Unter der Leitung von Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) hat ein internationales Forscherteam 96 archäologische Knochen und Zähne von Pferden, die aus der Zeit des späten Pleistozäns bis zum Mittelalter stammen, auf ihr Erscheinungsbild genetisch analysiert. Obwohl eine beachtliche Anzahl an Hauspferden aus der frühen Bronzezeit (2700 – 2200 v. Chr.) als Tigerschecken genetisch identifiziert werden konnte, scheint diese Fellfärbung gegen Ende des Zeitalters nahezu verschwunden zu sein. Einer der Gründe dafür könnte sein, dass reinerbige Tiere (wie z. B. in Appaloosa und Miniaturepferden gezeigt) neben einer komplett weißen Fellfarbe auch nachtblind sind. In freier Wildbahn spielt das Sehen eine große Rolle bei Kommunikation, Orientierung, Nahrungssuche und Vermeidung von Feinden, so dass nachtblinde Tiere kaum überlebensfähig sind. In der menschlichen Obhut sind nachtblinde Pferde als nervöse und zaghafte Tiere beschrieben, welche bei Dämmerung und Dunkelheit schwer zu handhaben sind.

Ungefähr 1000 bis 1500 Jahre später treten sie wieder vermehrt in Erscheinung. Die Fellfarbe wurde durch Kreuzung mit den damals noch zahlreich vorhandenen Wildpferden wieder in den Genpool der Haustiere gebracht. Die hier gezeigten wechselnden Vorlieben der Menschen im Verlauf der Jahrtausende unterstreichen den Wert der genetischen Diversität bei Haustieren. Gerade in unserer Zeit, wo die Stammformen von Hauspferd und Hausrind längst ausgestorben und Wiedereinkreuzungen damit ausgeschlossen sind, arbeitet die moderne Tierzucht nach wie vor auf einen Verlust der genetischen Vielfalt hin. Dieser Rückgang in der Variabilität schränkt zukünftige Änderungen in den Zuchtzielen massiv ein und macht uns abhängig von wenigen Hochleistungsrassen.

Nach der Eisenzeit gab es einen erneuten Aufschwung für die Tigerschecken. „Das Verhalten der Züchter und ihre Präferenzen wechselten damals genauso, wie Vorlieben heutzutage auch Änderungen unterliegen“, erklärt Arne Ludwig vom IZW, Leiter der Studie. Für die wechselnden Interessen bei der Zucht von Tigerschecken spricht auch die spätere Beliebtheit dieser Pferde im Mittelalter, wo sie großes Ansehen genossen, wie man ihrem häufigen Vorkommen in Texten oder auf Gemälden entnehmen kann. Sie gehörten zu den Lieblingstieren der Adligen und waren ein Symbol für Keuschheit. Auch im Barockalter waren sie gern gesehen, bevor sie wieder aus der Mode kamen. Heutzutage sind Tigerschecken in vielen Rassen zu finden und Züchter zeigen seit einigen Jahren wieder ein starkes Interesse.

„Wenn dieses Bild der alternativen Selektion zutrifft, dann könnte so erklärt werden, wie genetische Diversität in domestizierten Populationen trotz erheblicher Selektion für oder gegen gewisse Merkmale aufrecht erhalten werden konnte. Heutzutage haben wir jedoch in der Zucht oftmals das Problem, dass wir auf keine entsprechenden Wildtierarten mehr zurückgreifen können, da sie schichtweg ausgerottet bzw. die Wildtypen „herausgezüchtet“ wurden. Für den Genpool der heutigen Haustierrassen ist das auf lange Sicht negativ zu beurteilen, da die fehlende genetische Diversität die Möglichkeiten der Zucht zukünftig stark einschränkt“, so Ludwig.

Quelle: "Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)"
 
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