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News vom: 06.01.2008 | News weiterempfehlen | News drucken |
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Lebendhefen für Kühe
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In der Silage sind sie absolut verpönt, in der Rinderfütterung durchaus erwünscht: die Hefen. Aber Hefen sind nicht gleich Hefen. Aus der Lebensmittelherstellung sind Hefen der Gattung Saccharomyces cerevisiae schon seit Jahrhunderten als Bier- oder auch als Backhefe bekannt. Bierhefe ist ein bewährtes Einzelfuttermittel mit hohem Protein- und Vitamin-B-Gehalt, dessen Zellen durch Erhitzen abgetötet sind. Ihre enzymatische Aktivität geht so vollständig verloren.
Lebendhefen hingegen wurden aus vielen Stämmen von S. cerevisiae entwickelt, die eine besondere Wirksamkeit im Verdauungstrakt aufweisen. Sie gehören wie auch die Milchsäurebakterien und die Bacillussporen zu den Probiotika. Diese sind Zusatzstoffe, die die Darmflora positiv beeinflussen. Futtermittelrechtlich gehören die Darmflorastabilisatoren zu den zootechnischen Zusatzstoffen.
Die lebenden Hefezellen unterscheiden sich von den herkömmlichen Hefen durch ihre Stoffwechselaktivität, die durch die schonende Trocknung erhalten geblieben ist. Hefen müssen täglich gefüttert werden, da sie den Verdauungstrakt nicht auf Dauer besiedeln und sich auch nicht vermehren. Allgemein wird eine Anfütterung von zwei bis drei Wochen empfohlen, erst danach sind Effekte durch die Hefezulage zu erwarten.
Hefen sind Sprosspilze, die Zucker zu Kohlendioxid und Wasser abbauen. Ihre genaue Wirkungsweise ist noch nicht vollständig geklärt. Dies ist auch schwierig, wenn wir bedenken, welch eine Vielzahl von Bakterien und Protozoen im Pansen wirkt. Allein über 200 Arten von Bakterien konnten bisher isoliert werden. Häufig wird davon ausgegangen, dass die Lebendhefen im Gegensatz zu den abgetöteten Hefezellen im Verdauungstrakt das Wachstum der Mikroben, insbesondere von Cellulose und Milchsäure abbauenden Bakterien, anregen. Dadurch wird gerade bei kraftfutterbetonten Rationen die Menge an Milchsäure, die Hauptursache der Acidose, reduziert und somit der pH-Wert stabilisiert. Außerdem können Hefen Milchsäure auch direkt und ebenso Zucker abbauen, der ansonsten von Bakterien zu Milchsäure umgewandelt wird. Hefen bilden Substanzen, wie z. B. Enzyme und Vitamine, die für die Pansenbakterien nützlich sind. Da die Hefen Sauerstoff verbrauchen, verbessern sie die Bedingungen der anaerob lebenden Mikroben im Pansen. Cellulose spaltende Bakterien können so die die Cellulose schneller zu flüchtigen Fettsäuren, vor allem Essigsäure, abbauen, was zu einem Anstieg des Milchfettgehaltes führen kann. Der schnellere Rohfaserabbau kann eine erhöhte Passagerate und demzufolge eine bessere Futteraufnahme bewirken.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass Lebendhefen eine verbesserte Pansenfermentation bewirken.
Die Ergebnisse zahlreicher Versuche zeigen ein uneinheitliches Bild. Denkbare Verbesserungen wie ein Anstieg der Milchmenge, der Inhaltsstoffe oder der Futteraufnahme traten nicht immer ein. Allerdings war das Leistungsniveau in einigen Versuchen nicht so hoch, dass die Kühe an ihre physiologischen Grenzen stießen. In einem bayerischen Versuch wurde durch den Hefezusatz die Futteraufnahme, die Milch-, Eiweiß- und Fettmenge erhöht, die Unterschiede waren aber zufällig. Einzig abzusichern war der niedrigere Milchfettgehalt der Hefegruppe. Ein aktueller Versuch der Universität Hohenheim ergab, dass die 10000 kg-Kühe, die 10 g Lebendhefe über das Kraftfutter vom 20. Tag vor der Geburt bis zum 200. Laktationstag erhielten, täglich 1,7 kg Milch mehr gaben. Allerdings stieg die Futteraufnahme nicht an, so dass die Kühe mehr Körpersubstanz mobilisierten. Dies beeinträchtigte jedoch nicht die Fruchtbarkeit. Das Fazit aus diesem Versuch: Der Einsatz von Lebendhefe kann ein geeignetes Mittel sein, um das Pansenmilieu zu stabilisieren. Hefen sind besonders für Hochleistungstiere, in der Transitphase und im ersten Laktationsdrittel zu empfehlen.
Quelle: "Landwirtschaftskammer Niedersachsen" |
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